Eisvögel gewinnen in Leipzig in letzter Minute mit 76:74. Dabei lagen sie zeitweise deutlich zweistellig zurück. Eines ist klar: jede Spielerin spielt am liebsten zu Hause, vor eigenem Publikum und in vertrauter Umgebung. Da dies in diesem Kalenderjahr nur noch einmal der Fall ist, müssen die Eisvögel auch ihrer schwierigen Auswärtsserie etwas Positives abgewinnen.

Ein Vorteil wurde bereits gestern abend in Leipzig offenbar: denn so sehr das Ergebnis für die Eisvögel vorteilhaft ist, das Spiel selbst hätten wohl nur die eingefleischtesten Fans genossen. Die Partie kam nur sehr zäh in Gang und war geprägt von Fehlpässen und Fehlwürfen, wobei letztere bei den Freiburgerinnen besonders ins Gewicht fielen: ein paar geblockte Schüsse, ein paar ausgebliebene Pfiffe, und schon fiel Selbstvertrauen und Trefferquote der Eisvögel. Bis zur Halbzeit konnten die Freiburgerinnen fast alle wichtigen Statistiken für sich entscheiden, sowohl bei den Rebounds als auch bei den Steals waren sie auf dem Papier überlegen, insgesamt konnten sie sich fast doppelt so viele Würfe erarbeiten wie die Gastgeberinnen. Einziger Schönheitsfehler: Leipzig lag mit acht Punkten vorne, da sie sich im Abschluss deutlich konsequenter und treffsicherer zeigten. Für die Eisvögel lag die Trefferquote aus dem Feld zu diesem Zeitpunkt bei mageren 24%.

Nach der Halbzeitspause kam es dann sogar noch dicker: zunächst einmal wurde ein Korb nachgetragen, den die Leipzigerinnen acht Minuten vorher erzielt haben – und dann erwischten die Gastgeberinnen auch noch den besseren Start in die zweite Hälfte. Durch Punkte durch die beiden Topscorerinnen Guzman und Tajkov konnte sich Leipzig bis zum Mittel des Viertels auf bis zu 16 Punkte (47:31, 16.Minute) absetzen. Die Freiburgerinnen reagierten, passten ihre Verteidigung an und zeigten sich nun deutliche energischer in der Offensive. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Punkt für Punkt kamen die Eisvögel wieder heran, Tina Menz und Mirna Paunovic sorgten in dieser Phase mit ihren Korberfolgen für den Anschluss, und in der Defensive erarbeiteten sich die Gäste nun mehr und mehr Ballgewinne. Bis zur letzten Viertelpause war der Abstand schon auf neun Punkte geschmolzen (53:44).

Nun war der Bann gebrochen, die Freiburgerinnen witterten ihre Chance, das Spiel noch zu kippen. Und es ging kontinuierlich weiter: Minute für Minute konnten sich die Eisvögel heranarbeiten, insbesondere Sabrina Möller und Jahzinga Tracey sorgten in dieser Phase für wichtige Punkte in Korbnähe. Zwei Minuten vor Schluss war es dann soweit: die Eisvögel gingen durch Charmaine Callahan erstmals in diesem Spiel in Führung, auf der Gegenseite konterte Elena Diaz Lopez mit zwei erfolgreichen Freiwürfen, bevor die gleiche Freiburgerin durch einen Dreipunktewurf die Freiburger Führung wiederherstellte. Der letzte Angriff von Leipzig brachte nichts mehr ein, und die Eisvögel durften sich über einen hart erarbeiteten Auswärtssieg freuen.

Mal wieder hat es sich für die Freiburgerinnen ausgezahlt, mit einem großen Kader ein Auswärtsspiel anzutreten. Bis auf Sarah Hayes musste keine Spielerin länger als 30 Minuten auf dem Parkett stehen, was am Ende dieser kräftezehrenden Partie vielleicht den kleinen aber feinen Unterschied gemacht hat. Noch letzte Woche gegen Herne blieb die Aufholjagd erfolglos, doch dieses Mal hatten die Eisvögel das Glück auf ihrer Seite. Dennoch wollen sie sich in den nächsten Spielen nicht nochmals auf eine erfolgreiche Aufholjagd verlassen, sondern wieder von Beginn an ihren Ansprüchen gerecht werden. Am nächsten Wochenende steht erneut ein Auswärtsspiel an, das die Freiburgerinnen wieder voll fordern wird: diesmal geht es zum Aufsteiger aus Langen und Hofheim, den Rhein-Main Baskets – die unter anderem beim Serienmeister in Wasserburg gewinnen konnten.
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Patrick Seeger