Da waren sie wieder, die ungekrönten Meister der knisternden Spannung und atemberaubenden Basketball-Unterhaltung. Geboten wurde auf der Bühne am Steinberg abermals: Ein Drama in vier Akten. Mit einem Finale furioso. Und einem Happy End. Zumindest aus Sicht der Gastgeber. Mit 66:64 entschieden die Rister die Partie gegen ALBA Berlin II für sich und fuhren damit am dritten Spieltag der 2. Bundesliga Pro B ihren zweiten Saisonsieg ein.

3,1 Sekunden Restzeit zeigt die Anzeigetafel im Schlussviertel an, es steht 64:64. Der Berliner Konstantin Klein hat soeben mit zwei Punkten per Freiwurf ausgeglichen, doch die Gastgeber haben noch einen Versuch. Der Ball wird in die Hände von Steffen Kiese gegeben, der Spielmacher zieht kraftvoll in Richtung Korb und wird dabei regelwidrig von ALBAs Tobias Grauel aufgehalten. Mehr noch: Das Schiedsrichter-Gespann entscheidet auf unsportliches Foul. Vorteil Wedel also. Und tatsächlich. Der an diesem Abend ohnehin prächtig aufgelegte Kiese trifft doppelt und tütet damit den Heimsieg ein. Den anschließenden Ballbesitz bringen die Jungs von Headcoach Özhan Gürel über die (kurze) Zeit.

“Wedel hat verdient gewonnen. Uns fehlte in der Schlussphase einfach die Erfahrung. Da waren wir nicht clever genug”, sagte Berlins Trainer Alan Ibrahimagic. Dass ausgerechnet sein mit fast 24 Jahren “ältester” und “routiniertester” Schützling Tobias Grauel das seitens der Referees als unsportlich eingestufte Foul keine zwei Sekunden vor Schluss beging, nahm Ibrahimagic seinem Spieler nicht krumm: “Natürlich muss er da die Finger weglassen. Aber so etwas passiert eben. Wir machen ihm da keine Vorwürfe, die macht er sich schon selbst am meisten.” Rist-Coach Özhan Gürel bilanzierte unterdessen: “In den letzten Sekunden waren wir zwar nervenstark, aber während des Spiel zu oft auch nicht. Unser Ziel, dem Gegner nur um die sechzig Punkte zu erlauben, haben wir wie gegen Stahnsdorf erreicht. Unsere Verteidigung war gut, aber in der Offense müssen wir uns noch steigern.”

Denn die mitunter recht stattliche Anzahl an Fehlwürfen (freilich gepaart mit der im letzten Viertel im Angriff aufdrehenden Berliner Mannschaft) verhinderte eine ruhigere Endphase. Diese war möglich. In der 36. Minute hatten sich die Gäste auf einen Zähler herangekämpft (58:57), “Dreier” von Kiese und Friedrich Lennartz für Berlin sollten bis zur dramatischen Schlussminute die letzten Punkte bleiben. Den insbesondere während des dritten Abschnitts erarbeiteten Vorsprung (bis zu elf Zähler) brauchten die Rister also auf, fanden aber im richtigen und fast letzten Moment die passende Replik. Mitten in die Berliner Drangphase “platzten” in der Mitte des letzten Durchgangs Mac-Davis Duah und Marlon Pompey mit einer äußerst sehenswerten Aktion. Duah bediente den Kanadier, der per “Alley Oop” spektakulär abschloss. Wie gegen Stahnsdorf, doch diesmal “reverse”.

Ihre nächste Partie bestreiten die 1. Herren am kommenden Sonnabend beim SC Rasta Vechta, bevor am 23. Oktober das Heimspiel gegen den USC Leipzig auf dem Programm steht.

Wer noch einmal auf den Krimi gegen ALBA II zurückblicken möchte und zudem weitere Stimmen zum Spiel hören will, der sollte am Montagabend Hamburg 1 Fernsehen einschalten. Im Rahmen der Sportsendung rasant (20:15 sowie 22:15 Uhr) wird ein Bericht über die Partie gesendet.

Statistik:

Viertelergebnisse: 12:13, 17:16, 20:13, 17:22

SC Rist (Punkte): Kiese (15), Leger (13), K. Gausa, Moysich (je 11), Pompey (7), Duah (4), Delic (3), E. Gausa (2), Hollmann, Laatzen, Maraite, Parohl.

ALBA Berlin II (Punkte): Grauel (16), Lennartz (13), Klein, Lotze (je 10), Ziegenhagen (6), Fülle (5), Saibou, Villarzu (je 2).

Schiedsrichter: Stefanie Oelfke/Nadeesh Kattur

Quelle: SC Rist Wedel e.V. (http://www.scrist-wedel.de/)