Im Wochenanzeiger München: Schwabinger Seiten findet sich in der Woche vom 18.10.2011 folgender Bericht über die Regionalliga Basketballerinnen des MTSV Schwabing:

Schwabing · Keine Rampensäue

Basketballerinnen des MTSV suchen dringend Sponsoren

Schwabing · Sandra Teschemacher ist eine zierliche Person. Weder Statur noch Größe hat die 30-Jährige mit dem riesenhaften Weltstar Dirk Nowitzki gemeinsam. Und doch, die beiden verbindet eine Leidenschaft: Basketball.

»Ich komme nicht mehr los davon«, schwärmt sie, die seit gut 15 Jahren Basketball spielt. »Es ist die Liebe meines Lebens.« Sie ist im Regionalliga-Team der Basketball-Damen des MTSV Schwabing. Einer Mannschaft voller sportenthusiastischer Frauen, die allerdings aktuell geplagt wird von finanziellen Engpässen. »Wir suchen dringend neue Sponsoren«, sagt Trainer Andre Hofmann. Im Moment sehe es leider so aus, dass die Spielerinnen in Vorkasse gehen und fast alle anfallenden Kosten selbst tragen müssen. Natürlich, vom Verein gibt es Zuschüsse und die Spielerinnen zahlen ihre Mitgliedsbeiträge, doch das allein deckt die Kosten nicht. Werbung, Trainingsanzüge und Auswärtsfahrten, etwa nach Erfurt und Leipzig, müssen beispielsweise finanziert werden und manchmal auch der Schiedsrichter. »Da kommt ganz schön was zusammen«, so Hofmann. »Das alles auf Dauer zu stemmen, ist einfach nicht drin.« Zudem wird die Mannschaft weiter aufgebaut, sie hat sehr ehrgeizige Ziele und um die zu erreichen, kann eine entsprechende Finanzspritze nicht schaden. »Dann könnten wir das Training noch professioneller und effektiver gestalten. Ein Trainingslager zum Beispiel wäre eine tolle Sache«, sagt der Trainer. Denn man wolle wieder so erfolgreich sein wie die früheren Teams.

»Die Schwabinger waren vor einigen Jahren erstklassig, das wollen wir auch schaffen. Mittelfristig wollen wir die Nummer eins in München werden und langfristig wieder in der Bundesliga spielen.« Die erste Damen-Basketballmannschaft war früher das Aushängeschild des MTSV Schwabing. Man führte das Team 2002 erstmals in die erste Bundesliga (DBBL), es folgte der Abstieg und der sofortige Wiederaufstieg. In der Saison 2005/ 2006 schaffte die Mannschaft den Klassenerhalt. In der Saison 2006/ 2007 erreichte die Mannschaft sogar das Playoff-Finale der ersten Bundesliga und wurde Vize-Pokalsieger. Doch dann das Aus: Völlig überraschend teilte der Vereinsvorstand im Mai 2007 mit, dass die erste Damen-Basketballmannschaft zum Spielbetrieb in der Saison 2007/ 2008 der ersten Bundesliga nicht mehr gemeldet werde. Es hieß, der Verein wolle sich nun ausschließlich dem Breitensport widmen. Nach Aussage des Präsidenten Walter Linder hat trotz der wachsenden Erfolge die nötige Unterstützung durch Sponsoren gefehlt – schon damals also ein Problem.

Man möchte meinen, dass seit dem fulminanten Erfolg eines Dirk Nowitzki Basketball regelrecht boomt und dass es deshalb kein großes Ding ist, Sponsoren zu finden. »Stimmt schon, Basketball ist gerade stark im Kommen«, bestätigt Hofmann. Doch richte sich die Aufmerksamkeit vor allem auf den Männerbasketball. Was besonders daran liege, dass Frauenbasketball, wie der Trainer sagt, »nicht so spektakulär« sei. Oder um es anders zu sagen: Es geht nicht so hart zur Sache. Auch so genannte »Rampensäue« seien weniger gefragt. »Bei den Frauen stehen nicht einzelne Spielerinnen im Vordergrund, sondern es wird teambezogener gespielt«, so Hofmann. Gerade darin liege die besondere Qualität der Basketball-Damen. »Wer wahren Teamgeist sehen will, der schaut bei den Frauen zu.« Die Spielerinnen lassen sich nicht davon beirren, dass sie – noch – in einer Randsportart aktiv sind. »Basketball ist die reinste Sucht«, verrät Deborah Hountondji, seit elf Jahren dabei. Das bestätigt auch Anna Veh, 20 Jahre alt: »Es geht einfach nicht ohne. Einmal musste ich drei Monate wegen einer Verletzung pausieren, das war die reinste Hölle.«

Um ihrer Leidenschaft zu frönen, geht viel Freizeit drauf, zweimal die Woche Training, dann die Spiele, meistens am Wochenende. »Ich habe viel weniger Zeit, um Freunde zu treffen, aber das nehme ich in Kauf.« Auch Krisen gehören zum Sportler-Alltag. »An einem Tag hasst du es, aber schon am nächsten Tag weißt du, warum du es tust«, sagt Anna Veh. Interessierte Sponsoren können sich wie üblich unter anderem mit Banden- oder Plakatwerbung und Logodruck auf den Trainingsanzügen einbringen. Doch auch Einzelpersonen oder kleinere Firmen können den Verein unterstützen. Hierfür wurde der »99er Klub« entwickelt. »Mit 99 Euro im Jahr ist man bereits dabei«, so Hofmann. Mitglieder des »99er Klubs« können ihr Logo ohne weitere Kosten auf allen Flyern und Plakaten der Mannschaft drucken lassen. Zusätzlich erhalten sie eine Logo-Integration mit Verlinkung auf der Homepage und der Facebook-Fan-Seite. »Jeder Sponsor unterstützt das sportliche Leben der Stadt München und gleichzeitig einen Traditionsverein, der im vergangenen Sommer bereits 125 Jahre alt geworden ist«, erklärt der Trainer. »Die Mannschaft spielt zwar momentan in der Regionalliga Südost, sicher, das ist weit entfernt von der Champions League, doch bietet ein Sponsoring unseres Teams auch viele Vorteile. Unsere Zuschauer werden beispielsweise nicht durch tausende von Werbebanden erschlagen, das heißt Werbung wird gut wahrgenommen.«

Die besteht aus elf Teams aus Bayern, Thüringen und Sachsen. Drei Teams kommen aus dem Münchner Raum: FC Bayern München, TS Jahn München und der MTSV Schwabing. »In den vergangenen Jahren hat sich die Liga professionalisiert«, berichtet Hofmann. »In einigen Mannschaften spielen sogar Vollzeit-Profis. Dadurch ist das Niveau deutlich angestiegen und es wird sehr attraktiver Basketball gespielt.«

Die Schwabinger Damen sind seit 2006 dabei. Sie haben bereits mehrfach die Aufstiegsrunde in die zweite Liga erreicht. In der vergangenen Saison gehörten sie längere Zeit zum oberen Tabellen-Drittel und schlossen letztendlich auf Platz fünf ab. »Das Ziel in der Saison 2010/2011 ist mindestens das obere Tabellendrittel«, kündigt der Trainer an. »Wir sind auf einem guten Weg. Und wir hoffen, dass wir uns den Aufstieg endlich auch finanziell leisten können.«

Quelle: Sylvie-Sophie Schindler / Münchner Wochenanzeiger – www.wochenanzeiger.de