Die Freiburgerinnen verzweifeln am Wasserburger Heimvorteil. Die Siegesformel lautet 131, 190 und 925. Auch um 4:30 Uhr morgens, als der Eisvögel-Teambus am Freiburger Sportinstitut ankam, war das Gefühl aus Enttäuschung, Fassungslosigkeit und Frust nicht verflogen. Erstmals in dieser Saison wollte während der nächtlichen Heimfahrt niemand ein Video über die Flachbildschirme des Busses flimmern lassen. Und die Silbermedaillen baumelten lustlos am Hals oder waren in der Tasche verstaut. Es hätte eine triumphale Heimkehr werden können. Müssen.

Trefferquote: 51 Prozent. Rebounds: 40. Freiwurfquote: 90 Prozent. Statistiken, mit denen ein Team kein Spiel verlieren kann. Insbesondere wenn die entsprechenden Stats des Gegners deutlich hinterher hinken (38, 35, 77). Trotzdem reichte es nicht. Plus 13 Punkte Führung in Minute 32. Plus 7 sind es drei Minuten vor Schluss (80:73). Die Schlussminute beginnt beim Stand von 80:76 für die Eisvögel. Zu diesem Zeitpunkt hat Freiburg bereits 20 Freiwürfe geworfen, verbucht jedoch schon mehr als vier Teamfouls. Wasserburg steht bei 23 Freiwürfen und drei Teamfouls. Nur 50 Sekunden später hat Wasserburg 31 Freiwürfe. Freiburg wird nicht mehr gefoult. Aus.

Und doch hatte man den Code geknackt. Wasserburgs hervorragende 1-3-1 Zonendefense wurde in den Play Offs zum Markenzeichen des neuen Deutschen Meisters. Jetzt ließ sie 80 Punkte in 37 Minuten zu. Die über 1 Meter 90 großen Innenspielerinnen hatten die Zone zum Abwehrbollwerk gemacht, an dem sich die Eisvögel in Spiel 1 noch die Zähne ausbissen. Trainer Janson meinte nach dem Spiel: „Besser können wir gegen den TSV in dessen Halle nicht spielen“. Und doch reichte es nicht. Mit 9:25 ging das letzte Viertel verloren. Freiburg kam nur noch einmal durch Sarah Hayes zu Freiwürfen.

„Wir hätten in Spiel zwei gerne auch den Heimvorteil gehabt, den Wasserburg heute hatte“, zeigte sich Harald Janson verbittert. „Ich denke, unsere Leistungen waren gut genug, um ein Spiel vier oder gar fünf zu erzwingen.“ Und so zogen sie mit gesenkten Häuptern von dannen. Raus aus einer tosend vollen Badria-Halle, in der die Wasserburger Fans mit dem Team die sechste Deutsche Meisterschaft des Vereins feuchtfröhlich feierten. Jedoch nicht ohne vorher dem neuen Meister zu gratulieren: „Wasserburg ist verdient Deutscher Meister geworden. Sie sind das beste Team der Liga und haben erneut eine Punktlandung in Sachen Formkurve hingelegt“, so der Freiburger Trainer.

Die Eisvögel werden am Samstagnachmittag gemeinsam die Saison ausklingen lassen. Vielleicht wird an diesem Tag der Schalter wieder auf Lächeln umgelegt. Auf ein wenig Stolz auf das Erreichte. Und vielleicht schaukeln die Silbermedaillen dann schon etwas fröhlicher an den Hälsen der Spielerinnen. Im schönen, sommerlichen Freiburg…

Foto: P. Seeger