SC Rist Wedel: Offensivspektakel am Steinberg

Als die Schlusssirene in der Wedeler Steinberghalle ertönte, dürfte sich mancher Zuschauer beim Blick auf die neue LED-Wand verwundert die Augen gerieben haben. 128 Punkte für die Zweitliga-Basketballer des SC Rist und 115 für die Gäste von Citybasket Recklinghausen waren dort nach dem packenden Duell zweier Spitzenteams der Pro B Nord ausgewiesen. Solche Resultate gibt es ohne vorangegangene Verlängerung sonst fast nur in der US-Profiliga NBA, aber dort wird pro Viertel auch zwölf statt zehn Minuten gespielt.

Angesichts der beiderseits hohen Trefferquote, insbesondere von jenseits der Drei-Punkte-Linie, gab es nach dem Offensivspektakel in Wedel auch kaum unzufriedene Reaktionen. Die Anhänger des Heimteams (Tabellenzweiter/28 Punkte) unter den 650 Zuschauern feierten ihre Mannschaft mit Applaus und Sprechchören, während Rist-Headcoach Sebastian Gleim von einem ganz besonderen Spiel sprach. „Wir haben zuletzt gegen die SUM Baskets Braunschweig sehr schlecht gespielt und uns heute dafür rehabilitiert.“ Ebenfalls optimistisch gab sich Gästetrainer Georg Kleine, dessen Team (Fünfter/20) alles gegeben hatte und noch einen Sieg für den Playoff-Start benötigt, den die Wedeler längst sicher haben.

So waren die einzigen Verlierer diejenigen, die sich die rekordverdächtige Partie hatten entgehen lassen. Dass beide Kontrahenten dreistellig punkten würden, zeichnete sich bereits zur Halbzeit (72:47 für den SC Rist) ab. Die Wedeler versenkten in diesen 20 Minuten elf von 15 Wurfversuchen aus der Ferndistanz, allein dreimal war Jonas Laatzen erfolgreich. Ein Wettschießen lieferten sich die US-Boys Harold August Johnston (40 Punkte) im grün-gelben Trikot des Heimteams und Recklinghausens Robert Franklin, der das Duell mit 41 Zählern knapp für sich entschied. Doch selbst das tat Sebastian Gleims Zufriedenheit keinen Abbruch. „Er hat nicht zum ersten Mal in dieser Saison 40 Punkte oder mehr erzielt.“ Verhindern sollte dies zwar Wedels Paul Owusu als Gegenspieler, geriet dabei aber schnell in Foulprobleme. „Dass Paul sich schon sehr früh sein zweites Foul abgeholt hat, hat uns sehr weh getan“, sagte Gleim.

Ungewiss war beim SC Rist bis kurz vor Beginn der Partie zudem, wer den Spielmacherposition übernehmen sollte. U18-Nationalspieler Ismet Akpinar, der wie berichtet im Sommer zu Bundesligist ALBA Berlin wechselt, fehlte aufgrund seiner Teilnahme am Nike International Junior Tournament in Belgrad, und Marvin Boadu drohte aufgrund eines viralen Infekts auszufallen. Nach Einlieferung ins Krankenhaus sank das Fieber des gebürtigen Reinbekers aber bis kurz vor Spielbeginn auf Normaltemperatur. „Einen Tag früher wäre an einen Einsatz nicht zu denken gewesen“, sagte Boadu, der gegen Recklinghausen mehr als 30 Minuten mitwirkte und es wie Johnston, dessen Landsmann Davey Hopkins und Fabian Böke auf eine zweistellige Punktezahl brachte. Für den absoluten Notfall hatte Gleim Routinier Florian Moysich reaktiviert, der seit Jahreswechsel auf eigenen Wunsch nicht mehr zum Pro-B-Kader zählt.

Vor allem angesichts der variablen Spielweise seines Teams gegen Recklinghausen sieht der Rist-Headcoach sein Team für die beiden letzten Pro-B-Punktspiele der Saison gerüstet. „Wir mussten zwar einige zu leichte Körbe hinnehmen, hatten aber immer die richtige Antwort parat.“ Am kommenden Sonnabend um 19 Uhr erwarten die Wedeler am Steinberg die Hertener Löwen (Dritter/24) zum Endspiel um Platz zwei der Abschlusstabelle. In der Hinrunde brachten die Westdeutschen dem SC Rist mit 100:63 die höchste Saisonniederlage bei.

Statistik: Viertel: 31:22, 41:25, 22:35, 34:33

SC Rist (Punkte): Harold August Johnston (40), Davey Hopkins (24), Fabian Böke (19), Marvin Boadu (16), Tim Parohl, Jonas Laatzen (je 9), Tobias Lange (4), Kai Schlüter (3), Marvin Adu, Paul Owusu (je 2), Florian Moysich.

Quelle: SC Rist Wedel e.V. (http://www.scrist-wedel.de/)