Buzzer! Die Eisvögel schleichen mit hängenden Köpfen vom Spielfeld. Nach viel Krampf, falschem Fokus und einem ganz schlimmen dritten Viertel ziehen sie gegen den BC Marburg mit 45:59 den Kürzeren. Es wird viel aufzuarbeiten sein in den nächsten Stunden und Tagen. Wie konnte die alles andere als unbekannte und glänzend spielende Finja Schaake nahezu ohne Gegenwehr in der ersten Halbzeit mit bereits 15 Punkten fast spielerisch zur überragenden Akteurin auf dem Feld werden? Warum wurden die Hessinnen auf ihrer schwächsten Position, dem Centerspot, nicht ständig innen attackiert? Wie konnte man den BC im dritten Viertel zu einer Trefferquote von 70 Prozent avancieren lassen? Coach Stefan Mienack hatte doch vor dem Spiel nochmal ausdrücklich auf die enorme Schwierigkeit der Aufgabe hingewiesen! Doch wer nicht hören will…

Zunächst müssen allerdings noch zehn Minuten gespielt werden. Die Eisvögel werden in der 32. Minute mit einem Dreier von Jule Schindler zur Aufholjagd blasen. Mariesa Greene wird dem Team die zuvor fehlende Energie liefern. Die Zuschauer werden toben. Marburg wird keine Luft mehr haben und nicht mehr treffen. Am Ende werden die Eisvögel mit 72:69 glücklich gewinnen.

Bereits zweimal zuvor in dieser Saison setzten sich die Eisvögel in einer knappen Schlussphase gegen Marburg durch. Einmal führten sie zunächst über das gesamte Spiel. Ein ander Mal war es über 40 Minuten ein mehr als knappes Match. Und diesmal? Marburg spielte über 32 Minuten exzellent. Und es ist schwer zu beurteilen, ob es die fehlende Einstellung der Eisvögel oder die hervorragende Qualität des Marburger Kaders in 32 Minuten „Flow“ war, die den Vorsprung des BC völlig verdient auf plus 14 (32. Minute, 47:61) anschwellen ließ. Und es ist schwer zu beurteilen, wie das Spiel kippen, diesen Verlauf nehmen, die Halle zum kochen bringen konnte.

Was anfangen mit diesem Match? Die Eisvögel tun gut daran zwei Dinge zu befolgen: 32 Minuten Basketball analysieren, die Gründe, die Vorgeschichte, die Kleinigkeiten, das Bewusste und das Unbewusste. So geht es einfach nicht. Ein junges Team hätte, um zu lernen, verlieren müssen. Denn wer nicht hören will, muss fühlen. Vielleicht genügt bei entsprechender Aufarbeitung aber auch die Erfahrung, mit hängenden Köpfen vom Spielfeld zu schleichen nach 30 Spielminuten und einem dritten Viertel, in dem man sich chancenlos präsentierte. Kommen wir also zu Punkt zwei: Genießen und die Energie der Gewaltleistung mitnehmen. Denn Energie wird nötig sein kommende Woche. Es geht nach Herne. Und Herne spielt um alles oder nichts. Das schwerste momentan vorstellbare Match wartet auf die Eisvögel.

Was fehlt: Eine Liebeserklärung. Was Nata Gohrke, Finja Schaake, Tina Menz, Amanda Davidson und Co über drei Viertel auf das Freiburger Parkett zauberten war mehr als nur ein basketballerisches Zungeschnalzen. Es war die Demonstration des unbedingten Willens, die Liebe zu diesem phantastischen Sport, die Identifikation mit einem Programm, in dem diese Saison bestimmt nicht alles lief wie geplant. Es war der unbedingte Appell gegen das Söldnertum und die Kampfansage für den letzten Spieltag. Der BC Marburg lebt. Seine Spielerinnen sind für den deutschen Damenbasketball unverzichtbar.

Quelle: USC Eisvögel Freiburg e.V. (http://www.usc-eisvoegel.de)